Stiefel im Riding Look – schwer im Trend
Wer hätte gedacht, dass die “Knobelbecher” der Reiter einmal City-Trottoirs betreten würden? Doch sie haben den Weg von der Reithalle ins Innenstadtcafé elegant gemeistert und dabei eine subtile Metamorphose durchlaufen.
- Werfen wir ein Blick auf ihr authentisches Ambiente
Reitstiefel waren ursprünglich nicht für Stadtbummel oder zum Betätigen des Gaspedals gedacht, sondern eine funktionelle Fußbekleidung. In der preiswerten Version als Kunststoffstiefel schützen sie Reiterbeine vor Pferdeschweiß und die Füße vor Matsch. Es gibt sie als Markenstiefel, Billigstiefel, gefüttert und ungefüttert, verstärkt und unverstärkt, mit und ohne Wadenbogen, mit und ohne Sporenhalter.
Vorteil: Sie kosten nur ein Bruchteil eines Lederstiefels, sind so gut wie pflegefrei, unverwüstlich und wiegen nicht einmal halb so viel wie ein Lederstiefel.
Nachteil: Früher oder später schwitzt man in ihnen stark. Gänzlich anders verhält sich ein Lederreitstiefel. Auch er schützt das Reiterbein vor den flüssigen Nebeneffekten der Anstrengung des Pferdes. Doch schon beim Absteigen ist der Reiter gut beraten, den Boden unter sich auf Pfützen und Pferdeexkremente zu untersuchen. Nicht etwa, weil sein Boxcalfstiefel wasserdurchlässig wäre.
Einige Minuten hält ein Lederstiefel durch, auch wenn er bis über die Spitze in sauberem Wasser steht. Warum sauber? Das Problem der Lederstiefel besteht darin, dass sie die Säuren der typischen Reitstallpfützen, eine Mischung aus Wasser und Tierkörperflüssigkeiten, schlecht vertragen.
- Womit wir beim Hauptproblem von Lederreitstiefeln angekommen wären:
Sie sind ein Pflegefall. Regelmäßiges Säubern und Auftragen von Pflegeprodukten ist Pflicht, sonst leidet das Leder. Es wird hart, fleckig und brüchig, der Stiefel häßlich und unbequem. Nach der Pflegeprozedur die Stiefel bitte mit Stiefelspannern versehen und bei mittlerer Zimmertemperatur lagern. Sie sind noch nicht abgeschreckt? Dann sollten Sie wissen, das echte Lederreitstiefel ein erhebliches Gewicht auf die Waage bringen. Daher schlüpfen Reiter schnell in Stiefeletten oder Schnürboots, wenn sie nicht auf dem Pferd sitzen.
Das Gehen in Reitstiefeln ist nämlich mehr als anstrengend. Die ersten Wochen in einem solchen Stiefel sind in der Regel eine Qual, denn das Leder und die robuste Verarbeitung der übrigen Materialien braucht Zeit, um sich an die Körperform anzupassen. Trotzdem sind Lederstiefel aus dem Reitsport nicht wegzudenken. Sie verleihen Prestige, sind ein Fest fürs Auge und können nach Maß hergestellt werden. Wer sich dem Reitsport ernsthaft widmet, wird früher oder später ein Budget für Lederstiefel anlegen müssen.
Glücklicherweise müssen sich modebewusste Damen über keins dieser Dinge Gedanken machen. Der Stiefel im Riding Look, den man im Schuhgeschäft kaufen kann, ist entschlackt und entsprechend preisgünstiger, als ein echter Reitstiefel. Der Stiefel für den Normalgebrauch braucht keine verstärkte Kappe, keine Versteifung des Schafts und keine öl- und säureresistente Sohle. Damit verliert er spürbar an Gewicht. In der Regel kommt er auf der Außenseite nicht mit Schweiß und Haaren in Berührung. Sein Tummelplatz ist mit Asphalt beschichtet oder mit Teppichboden ausgelegt. Hätten Original-Reitstiefel einen solchen Erfolg auf der Straße feiern können?
Die aktuell im Trend liegenden Stiefel im Riding Look sind nicht die ersten Reitstiefel, die Stadtluft schnuppern. Der Cowboystiefel, ein Reitstiefel nordamerikanischen Ursprungs, ist seit Jahrzehnten ein von Trends unabhängiger Klassiker mit eigener Fangemeinde, mit oder ohne Pferd.
Westernreiten wird bezeichnet als das Arbeitsreiten mit Pferden. Dieser Sport stammt ursprünglich aus Amerika und erfordert ein hohes Geschick von dem Reiter und seinem Pferd, ebenso wie regelmäßiges Training.
